Commerzbank Rohstoffradar - 4. Quartal 2019

Diesel: Aktuelle Preisschwäche nicht von Dauer

Der Dieselpreis stieg zu Jahresbeginn zunächst deutlich, geriet danach aber umso stärker unter Druck. Ausschlaggebend für die zwischenzeitliche Verteuerung war der starke Preisanstieg am Rohölmarkt, der allerdings schnell wieder korrigiert wurde. Zuletzt kamen noch Nachfragesorgen wegen des Ausbruchs des Coronavirus hinzu. Zusätzlich verstärkt wurde der Preiseinbruch bei Diesel durch einen kräftigen Rückgang der Dieselmarge.

Preistreibend wirkte Anfang Januar die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Dieser hat sich danach wieder merklich entspannt. Zudem waren deswegen keine Produktionsausfälle zu verbuchen. Von daher gab der Ölpreis die zwischenzeitlichen Gewinne schnell wieder ab. Mittlerweile notiert der Ölpreis sogar deutlich niedriger als zu Jahresbeginn. Denn die Ausbreitung des Coronavirus in China und zunhemnde Verdachtsfälle auch in anderen Ländern schüren die Sorge vor einer Abschwächung der Ölnachfrage. Dem Ölmarkt droht in diesem Fall im ersten Vierteljahr ein noch größeres Überangebot, obwohl das um Russland und einige andere Ölanbieter erweiterte Produktionskartell OPEC+ sein Angebot seit drei Jahren bewusst knapp hält, um den Ölpreis auf einem höheren Niveau zu stabilisieren. Vertreter der OPEC haben allerdings angedeutet, die Produktion gegebenfalls weiter kürzen zu wollen. Zudem rechtfertigen die weiterhin bestehende Unsicherheit im Mittleren Osten und die schwierige Lage in Libyen bis auf Weiteres eine geopolitische Risikoprämie.

Wegen der momentan guten Versorgungslage an den Ölproduktmärkten ist der Dieselpreis zuletzt noch stärker unter Druck geraten als der Rohölpreis. Eine Rolle hierbei spielt sicherlich der durch das ungewöhnlich milde Wetter niedrigere Heizölbedarf. Maßgeblich dürfte aber die Eintrübung der Weltkonjunktur bzw. die Verlangsamung des Welthandels sein. Das bremst die stark zyklische Dieselnachfrage ab. Der Nachfragetreiber der letzten Jahrzehnte mit inzwischen 10% der globalen Nachfrage war Chinas Bedarf an Diesel. Dieser wächst nun jedoch spürbar langsamer: Im laufenden Jahr dürfte der Zuwachs sogar unter 100 Tsd. Barrel pro Tag rutschen. Möglicherweise fällt der Nachfrageanstieg wegen des Coronavirus noch geringer aus. Denn die Reise- und Geschäftstätigkeit von und nach sowie in China dürfte wegen des Virus stark eingeschränkt werden. Auch im zweiten emporstrebenden Markt, Indien, nimmt die Nachfrage nur mäßig zu. Und nicht zuletzt stottert der traditionell wichtige Absatzmarkt Europa: Die Konjunktur wird sich erst allmählich im laufenden Jahr stabilisieren. Verschärfend kommt der Absatzeinbruch am Pkw-Markt hinzu, nachdem die Antriebstechnik Diesel an Vertrauen eingebüßt hat.

Vor dem Hintergrund der schwachen Dieselnachfrage zeigt der seit Jahresbeginn geltende strengere Grenzwert für den Schwefelanteil von Schiffskraftstoffen (IMO2020) bislang keinen sichtbaren Preiseffekt. Dieser vermeintlich größte Umbruch am Markt für Mineralölprodukte scheint sich zumindest bei Diesel als Scheinriese zu entpuppen. Denn im Zuge von IMO2020 wurde zunächst mit einem so starken Nachfrageschub bei Marinegasöl gerechnet, dass man trotz der relativ geringen Bedeutung von Marinegasöl eine Anspannung am Dieselmarkt erwartete. Doch tatsächlich haben sich sowohl die Reedereien auf der Nachfrage- als auch die Raffineriebetreiber auf der Anbieterseite besser vorbereitet als noch vor einem halben Jahr gedacht. So sind zum einen mehr Schiffe als zunächst erwartet mit Filteranlagen (Scrubbern) nachgerüstet worden. Damit kann knapp ein Fünftel der täglich benötigten 4 Millionen Barrel Schiffskraftstoffe weiterhin durch schwefelhaltiges Schweröl abgedeckt werden. Zudem scheint sich ein neuer Schiffskraftstoff, schwefelarmes Schweröl bzw. VLSFO („Very Low Sulphur Fuel Oil“), schnell im Markt zu etablieren. Hinzu kommt: Die Raffineriekapazitäten insbesondere in China wurden kräftig ausgeweitet. Das lässt etwas Raum für Umstellungen. China beispielsweise hat – nicht zuletzt aufgrund der erwähnten Nachfrageschwäche im eigenen Land – bereits hohe Mengen an Diesel exportiert. Die chinesischen Dieselexporte werden nun wohl noch weiter steigen. Ähnliches könnte auch für Indien gelten.

Dennoch wird der Mini-Boom bei Marinegasöl unserer Meinung nach nicht gänzlich verpuffen. Vielmehr dürfte er die zuletzt auf ein Mehrjahrestief abgesunkenen Margen am Dieselmarkt wieder steigen lassen, je mehr die momentan wohl noch in vielen Häfen hohen Vorräte an Marinegasöl schrumpfen. Für unsere Preisprognose bedeutet das: Der Brentölpreis sollte sich dank der restriktiven Förderpolitik der OPEC+ bei 60 USD je Barrel stabilisieren. Der Dieselpreis dürfte sich im Jahresverlauf im Einklang mit den Margen wieder etwas erholen.

Quelle: Commerzbank Research, Stand:30.01.2020

in EUR je Einheit in EUR je Einheit
Edelmetalle Agrarrohstoffe
Gold je Feinunze Höchst
Tiefst
1.410,31
1.118,24
Baumwolle je Pfund Höchst
Tiefst
0,70
0,52
Palladium je Feinunze Höchst
Tiefst
1.776,21
1.100,17
Kakao je Tonne Höchst
Tiefst
2.403,27
1.781,95
Platin je Feinunze Höchst
Tiefst
894,59
694,43
Mais je Tonne Höchst
Tiefst
182,75
155,00
Silber je Feinunze Höchst
Tiefst
17,77
12,85
Raps je Tonne Höchst
Tiefst
412,75
351,50
Weizen je Tonne Höchst
Tiefst
207,00
153,00
Zucker je Pfund Höchst
Tiefst
0,12
0,10
Industriemetalle Energie
Aluminium je Tonne Höchst
Tiefst
1.692,80
1.527,57
Diesel je Tonne Höchst
Tiefst
593,87
452,62
Blei je Tonne Höchst
Tiefst
2.058,20
1.574,10
EUA je Tonne Höchst
Tiefst
30,20
19,20
Eisenerz je Tonne Höchst
Tiefst
110,19
62,66
Erdöl Brent je Barrel Höchst
Tiefst
66,82
48,44
Kupfer je Tonne Höchst
Tiefst
5.796,23
5.012,50
Gasöl je Tonne Höchst
Tiefst
595,20
449,38
Nickel je Tonne Höchst
Tiefst
16.509,93
9.471,01
Kerosin je Tonne Höchst
Tiefst
626,30
489,94
Zink je Tonne Höchst
Tiefst
2.682,54
1.984,66
Kohle je Tonne Höchst
Tiefst
75,39
42,96
Zinn je Tonne Höchst
Tiefst
19.302,96
14.213,75
Strom je MWh Höchst
Tiefst
56,56
30,81

* Quelle: Bloomberg, Periode: 01.01.2019 - 31.12.2019

** Aus Sicht deutscher Unternehmen notieren die aufgeführten Rohstoffe in der Regel in Fremdwährung. Neben Rohstoffpreisrisiken sind somit zusätzlich Währungsrisiken zu berücksichtigen.

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