Commerzbank Rohstoffradar Oktober 2021
Kupfer: heiß gelaufen
Die Preisrallye bei Kupfer seit dem Corona-Tief im vergangenen Jahr gipfelte im Mai in einem Rekordhoch von fast 10.750 US-Dollar je Tonne. Seitdem ist der Kupferpreis zwar um rund 1.500 US-Dollar gefallen, mit über 9.200 US-Dollar notiert er aber noch auf einem hohen Niveau. Eine nachhaltige Korrektur hat bislang nicht eingesetzt, Rücksetzer wurden schnell wieder aufgeholt – so auch im August, als der Preis kurzfristig auf ein Mehrmonatstief gefallen war.
Die International Copper Study Group (ICSG) berichtete zuletzt von einem ausreichend versorgten Kupfermarkt in diesem Jahr. 2020 startete der Markt ebenfalls mit einem Überschuss, der sich aber im Jahresverlauf drehte hin zu einem sehr hohen Angebotsdefizit von über 500.000 Tonnen. Dies soll dieses Jahr nach Einschätzung der ICSG auf ihrer Frühjahrstagung Ende April nicht passieren. Der Grund: China habe im vergangenen Jahr über Bedarf Kupfer gekauft und verhalte sich nun eher zurückhaltend. Die hohen Preise haben in den letzten Monaten schon einige chinesische Käufer abgeschreckt. So zeigen Daten der Zollbehörde, dass die Kupferimporte im August bereits den fünften Monat in Folge gefallen sind. Mit 394.000 Tonnen wurden erstmals seit über zwei Jahren weniger als 400.000 Tonnen pro Monat eingeführt. Vergangenes Jahr hatten chinesische Händler die niedrigen Kupferpreise noch opportunistisch zu umfangreichen Käufen genutzt und im Sommer 2020 weit über 700.000 Tonnen pro Monat importiert.
Kupferpreis in USD je Tonne
Unterstellt man, dass sich die Lockerungen der Corona-Maßnahmen positiv auf die Kupfernachfrage auswirken, dann dürfte das auch für das Angebot gelten. Entsprechend stark wurde die Produktion in den letzten Monaten ausgeweitet (+ 3 % gemäß Angaben der ICSG). So steht z. B. mehr Kupferkonzentrat zur Verfügung. In Chile kämpfen die Minenunternehmen zwar noch damit, ihre Produktion über das Vorjahresniveau hinaus zu steigern. In Peru, Indonesien und in den afrikanischen Ländern ist dies aber bereits der Fall. Industriekreise erwarten, dass in den nächsten zwei Jahren das Minenangebot um über 2 Millionen Tonnen p. a. ausgeweitet wird. Diese zusätzliche Menge wird vom Markt zwar benötigt, um die insbesondere im Bereich der Elektrifizierung erwartete höhere Nachfrage aufzufangen. Sie könnte aber auch dazu führen, dass der globale Kupfermarkt bis 2023 ausreichend, wenn nicht sogar leicht überversorgt ist. Die jetzt schon höhere Minenproduktion macht sich in gestiegenen Schmelz- und Verarbeitungslöhnen bemerkbar, was den Schmelzen einen Anreiz geben sollte, mehr Kupferraffinade zu produzieren. Nach dem coronabedingten Zusammenbruch der Lieferketten im vergangenen Jahr soll 2021 auch wieder deutlich mehr Kupferschrott zur Verarbeitung zur Verfügung stehen. Das weltgrößte Kupferrecycling-Unternehmen prognostiziert für die nächsten Monaten ein sehr gutes Schrottangebot.
Diese Aussichten haben bislang aber noch nicht ausgereicht, um den Kupferpreis ernsthaft unter Druck zu setzen. Wir sind jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass der Preis zu hoch ist, und erwarten eine Korrektur auf 9.000 US-Dollar je Tonne bis zum Jahresende. Dieses oder noch niedrigere Niveaus empfehlen wir Kupferkonsumenten zur Absicherung ihres Bedarfs. Mittel- bis langfristig sollte der Kupferpreis wegen der guten Nachfrageaussichten – vor allem für Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität und 5G – steigen, weil das Angebot perspektivisch nicht ausreicht.
Quelle: Commerzbank Research 30.09.2021
Jahreshöchst- und tiefstpreise im Überblick
| in EUR je Einheit | in EUR je Einheit | ||||
| Edelmetalle | Agrarrohstoffe | ||||
| Gold je Feinunze |
Höchst Tiefst |
1.651,83 1.415,30 |
Baumwolle je Pfund |
Höchst Tiefst |
0,93 0,55 |
| Palladium je Feinunze |
Höchst Tiefst |
2.483,71 1.604,54 |
Kakao je Tonne |
Höchst Tiefst |
2.282,36 1.752,41 |
| Platin je Feinunze |
Höchst Tiefst |
1.076,02 726,38 |
Mais je Tonne |
Höchst Tiefst |
320,00 170,75 |
| Silber je Feinunze |
Höchst Tiefst |
24,07 18,56 |
Raps je Tonne |
Höchst Tiefst |
681,25 377,50 |
| Weizen je Tonne |
Höchst Tiefst |
273,50 196,75 |
|||
| Zucker je Pfund |
Höchst Tiefst |
0,17 0,12 |
|||
| Industriemetalle | Energie | ||||
| Aluminium je Tonne |
Höchst Tiefst |
2.504,71 1.449,55 |
Diesel je Tonne |
Höchst Tiefst |
587,35 259,75 |
| Blei je Tonne |
Höchst Tiefst |
2.131,81 1.472,60 |
EUA je Tonne |
Höchst Tiefst |
64,37 23,21 |
| Eisenerz je Tonne |
Höchst Tiefst |
186,10 96,30 |
Erdöl Brent je Barrel |
Höchst Tiefst |
67,96 32,17 |
| Kupfer je Tonne |
Höchst Tiefst |
8.646,82 5.427,63 |
Gasöl je Tonne |
Höchst Tiefst |
584,44 260,77 |
| Nickel je Tonne |
Höchst Tiefst |
17.282,77 12.179,01 |
Kerosin je Tonne |
Höchst Tiefst |
609,48 262,85 |
| Zink je Tonne |
Höchst Tiefst |
2.664,73 1.957,24 |
Kohle je Tonne |
Höchst Tiefst |
188,96 42,76 |
| Zinn je Tonne |
Höchst Tiefst |
32.484,64 14.690,51 |
Strom je MWh |
Höchst Tiefst |
160,68 33,67 |
* Quelle: Bloomberg, Periode: 01.10.2020 - 30.09.2021
** Aus Sicht deutscher Unternehmen notieren die aufgeführten Rohstoffe in der Regel in Fremdwährung. Neben Rohstoffpreisrisiken sind somit zusätzlich Währungsrisiken zu berücksichtigen.